Eine kurze Beschreibung des Hobbys Imkern

Imker sind Bienenzüchter, die sich mit der Haltung und Vermehrung von Honigbienen beschäftigen und dabei Honig und weitere Bienenprodukte gewinnen. Die Beschäftigung mit den Bienen ist spannend und immer interessant. Jedes Volk hat einen eigenen Charakter, auf den man sich einstellen muss. Man erlebt, wie perfekt ein Bienenvolk organisiert ist, wie die Bienen alle erforderlichen Aufgaben erfüllen, um den Fortbestand ihres Volkes sicherzustellen. Sie folgen dabei zwar einem generellen Plan, überraschen den Imker aber immer wieder mit kleinen Varianten.

Es wird viel über das Insektensterben und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur geschrieben. Das ist grundsätzlich richtig. Falsch ist dagegen die Annahme, dass die Haltung von Honigbienen dem entgegenwirkt. Es gibt in Deutschland etwa 550 Arten von Wildbienen. Diese bilden bis auf wenige Ausnahmen keine großen Völker sondern leben als Einsiedler und werden auch Solitärbienen genannt. Diese Bienen bestäuben bei ihrer Futtersuche die überwiegende Menge an Blüten in der Natur, sie nehmen alle Blüten an, denen sie begegnen. Der Bestand der Wildbienen geht durch den ständigen Rückgang der Blühvielfalt wegen Futtermangel laufend zurück. Ihnen hilft man durch ein ausgewogenes Futterangebot (Blühflächen) und Nistmöglichkeiten. Jede naturbelassene Fläche hilft ihnen.

Im Gegensatz dazu sind die Honigbienen sortentreu. Wird im Bienenvolk entschieden, eine bestimmte Blütenart anzufliegen, dann sammelt der überwiegende Teil der Sammelbienen von dieser Blütenart und bestäubt die Pflanzen / Bäume optimal. Es wird immer Pollen von einer Blüte zur nächsten weitergetragen. Durch die Bestäubung durch Honigbienen werden Menge und Qualität unserer Obst- und Gemüseerträge deutlich verbessert.

Honigbienen werden von den Imkern als Nutztiere gehalten. Sie bekommen von uns die Unterkunft, Bienenbeute genannt, gestellt. Sie sammeln Nektar und produzieren daraus Honig. Den entnehmen wir ihnen zum Teil und füttern sie im Gegenzug mit Futtersirup. Wir beobachten ihr Verhalten auf Krankheitssymptome und behandeln sie, wo erforderlich und möglich. Die Imker vermehren Bienenvölker im Frühjahr und gleichen damit Verluste durch verlorene Völker aus. Die Honigbiene ist somit nicht in ihrem Bestand gefährdet. Gefahren kommen immer von außen. Alle Bienen auf der Welt haben sich an ihr Umfeld ideal angepasst und können darin problemlos bestehen. Leider gab und gibt es immer noch Bestrebungen einzelner, Bienen zu „optimieren“, indem versucht wurde, Bienen die scheinbar besseren Eigenschaften von Bienen aus anderen Teilen der Welt anzuzüchten. Damit wurden Parasiten und Krankheiten unter anderem aus Asien mitgebracht, gegen die unsere Honigbienen wehrlos sind und ihnen ohne Hilfe der Imker zum Opfer fallen würden. Das schlimmste Beispiel ist die Varroa- Milbe, die die Varroa- Krankheit verbreitet. Es ist eine der großen Aufgaben der Imker, den Varroa- Befall zu kontrollieren und mit mehreren sich ergänzenden Maßnahmen zu reduzieren. Ganz beseitigen kann man diese Krankheit nicht mehr.

Aufgaben des Imkers

Die Bienen würden normalerweise die Behausung einmal zwecks Vermehrung, andererseits aus Hygienegründen als Schwarm verlassen und damit weiteren Erkrankungen vorbeugen. Da wir nicht ständig abfliegenden Schwärmen hinterherwinken wollen, müssen die Imker den Bienen genügend Raum geben die Wabenhygiene sicherstellen.

 Im Frühjahr fallen die meisten Arbeiten am Bienenvolk an:

- Futterkontrolle im Frühjahr: wenn die Völker im Frühjahr wieder stark brüten, ist der               Futterverbrauch sehr groß. Es darf keinen Futtermangel geben, da die Bienen sonst             entweder verhungern oder krankheitsanfällig werden. Bei Futtermangel wegen                      ausbleibender Tracht muss eventuell sogar im Frühjahr nachgefüttert werden.

- Für die stark wachsenden Völker muss genügend Platz im Brutraum vorhanden sein,            bei Bedarf muss der Raum erweitert werden.

- Es muss Platz für die Einlagerung von Nektar geschaffen werden, hierfür werden                   sogenannte Honigräume auf den Brutraum aufgesetzt.

- Es muss sichergestellt sein, dass eine Königin vorhanden ist.

- Es muss jede Woche einmal nachgesehen werden, ob die Bienen in Schwarmstimmung       sind, wenn ja muss die Ursache gefunden und möglichst beseitigt werden, sonst ist ein         großer Teil der Bienen nicht mehr aufzuhalten. Sie nehmen dabei als Reiseproviant einen       großen Teil des Honigs mit.

- Wenn die Frühtracht eingebracht und reif für unsere Ernte ist, dann wird der Frühjahrshonig   geschleudert und die ausgeschleuderten Waben wieder ins Bienenvolk gebracht.

- Während die Bienen weiter Honig eintragen, bearbeitet der Imker den Honig und füllt ihn in    Gläser an, wenn er fertig ist.

Ende Juni hört die Schwarmneigung der Bienen auf und die Kontrollen können zeitlich gestreckt werden.

Im Juli erfolgt in der Regel die Ernte der Sommertracht. Da der Honig von den Bienen als Winterfutter gesammelt worden war, müssen wir ihnen jetzt Winterfutter anbieten.

Für die Arbeiten in dieser bisher beschriebenen Zeit muss man etwa mindesten 30 Minuten je Volk pro Woche einkalkulieren. Die Abstände der Arbeiten dürfen acht Tage nicht überschreiten. Daher sollten sie an gleichen Wochentagen durchgeführt werden.

Da sich im Frühjahr die Varroamilben stark vermehrt und eine gefährliche Anzahl erreicht haben, sind die Sommerbehandlungen dringend erforderlich. Damit wird bis nach der Ernte der Sommertracht gewartet, um den Honig vor der Ernte nicht mit den Behandlungsmitteln zu verunreinigen.

Zwecks notwendiger Wabenhygiene werden die ältesten Waben aus den Bruträumen gegen neue saubere Waben ausgetauscht. In den ältesten Waben wurden mehrere Generationen von Bienen aufgezogen und sie sind stark verunreinigt. Krankheitskeime nehmen darin zu und werden das Volk sonst infizieren und schwächen oder verenden lassen.

Die alten ausgetauschten Waben werden zwecks Rückgewinnung von Bienenwachs ausgeschmolzen. Das Wachs wird in den ruhigeren Monaten gereinigt und für die Weiterverwendung aufbereitet.

Im Herbst beschränken sich die Arbeiten an den Bienenvölkern im Wesentlichen auf Kontrolle des Futtervorrats, der, wenn erforderlich, ergänzt werden muss, damit die Bienen damit bis zum Beginn neuer Trachten im Frühjahr immer genügend Futter haben.

Im Dezember wird in der Regel eine abschließende Winterbehandlung gegen die Varroa erforderlich.

Die imkerlichen Arbeiten finden dann in einem Arbeitsraum statt:

- Reinigen und desinfizieren von benutzen Zargen (Kästen der Bienenbeute)

- Reinigen und desinfizieren von ausgeschmolzenen Rähmchen

- Reinigen des gewonnenen Bienenwachses für die spätere Weiterverendung

- Einbauen von Mittelwänden (Wachswände) in die gereinigten Rähmchen

- Gegebenenfalls Verarbeiten von Honig der Sommertracht, Abfüllen in Gläser und                   etikettieren der Gläser

- Reinigung und Pflege der Werkzeuge.

Das ist eine grobe Beschreibung der imkerlichen Tätigkeiten.                                            Voraussetzung für diese Tätigkeiten ist eine fundierte Sachkunde. Man muss wissen, wie ein Bienenvolk funktioniert, was gerade passieren sollte, und welche Ursachen es haben kann, wenn es anders läuft. Welche Maßnahmen sind dann erforderlich?

Es führt kein Weg an einer gründlichen Ausbildung vorbei. Die dafür angebotenen Lehrgänge finden an Wochenenden statt.

Über die Imkerei und über Bienen wurde viel geschrieben. Bücher dienen sehr gut zum Nachlesen und Vertiefen des Erlernten, reichen aber nach unseren Erfahrungen alleine zur Erlangung der Kenntnisse für Einsteiger nicht aus. Auch Videos sind in gleicher Weise hilfreich, wenn sie von wirklichen Fachleuten gemacht wurden, decken aber immer nur einen kleinen Teilbereich ab. Dagegen wird das notwendige Wissen bei Lehrgängen sowohl theoretisch als auch praktisch an Bienenvölkern vermittelt und wird über das Bienenjahr verteilt angeboten. Somit erlernt man die zum aktuellen Zeitpunkt stattfindenden Abläufe kennen. Die Möglichkeit des Nachfragens und der mögliche Austausch mit anderen Lehrgansteilnehmern helfen beim Verständnis.

Es gibt verlockende Angebote im Internet über besondere Verfahren der einfachen Bienenhaltung bis hin zu der Aussage, man könne ohne direkten Kontakt zu den Bienen imkern. Das hält kein erfahrener Imker für realistisch. Wer den Kontakt zu den Bienen scheut, hat sich für das falsche Hobby entschieden. Es liegt in der Natur der Bienen, ihr Heim und ihren Futtervorrat zu verteidigen, und dabei können sie stechen. Selbst sanftmütige Bienen haben nervöse und aggressive Phasen und machen die Arbeit am Volk zu dem Zeitpunkt unnötig stressig. Dann lässt man dieses Volk in Ruhe und versucht es später wieder. Die absolut notwendigen Überprüfungen des Zustands eines Bienenvolkes erfolgen durch das Ziehen und überprüfen von Bienenwaben, die selbstverständlich dicht von Bienen besetzt sind. Dabei kommt man immer in den Kontakt mit den Bienen. Diesbezüglich anders lautende Werbesprüche sind schlichtweg falsch!

Da Bienenvölker im Verlauf des Bienenjahres wachsen und schrumpfen, sind angepasste Bruträume erforderlich. Eine beschränkte Beutengröße ohne Ausdehnungsmöglichkeit führt unweigerlich zum Abschwärmen der Bienen, wenn es ihnen zu eng wird. Das passiert spätestens im zweiten Jahr, wenn ein ursprünglicher Ableger zum Wirtschaftsvolk heranwächst. Hier investiert man in jedem Fall sinnvoller in flexible Beutensysteme, bei denen die Brutraumgröße und die Honigräume an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden können.

Kosten für Einsteigerkurse und die Erstausrüstung können ca. 1500 € betragen, wenn man sowohl für die Imkerei und die Honiggewinnung Material beschafft. Zum Teil bieten Imkervereine Mitgliedern vereinseigene Honigschleudern und Entdeckelungsgeschirr zur Benutzung an, so auch der Imkerverein Solingen.

Wer sich für die Imkerei interessiert, der hat die Möglichkeit, sich an örtliche Imkervereine zu wenden. Dort findet man Ansprechpartner, mit denen man sich austauschen kann. Dort trifft man auch Imker, denen man bei der Betreuung ihrer Völker über die Schulter schauen darf. Die dabei erhaltenen Eindrücke helfen mit Sicherheit dabei, zu entscheiden, ob man dieses Hobby ausüben möchte.

Die Imkerverein bieten Interessierten in der Regel an, als Gäste an Versammlungen teilzunehmen und so Eindrücke zu gewinnen. So kann man in den Kontakt zu Imkern kommen und mehr Informationen bekommen.

 

Imkerverein Solingen
vorstand@imker-solingen.de